Biografie Gerhart Hauptmann: Literaturnobelpreis-Gewinner 1912

Gerhart Johann Robert Hauptmann (* 15. November 1862 in Ober Salzbrunn in Schlesien; † 6. Juni 1946 in Agnetendorf/Agnieszków in Schlesien) war ein deutscher Dramatiker und Schriftsteller. Er ist insbesondere als Vertreter des Naturalismus bekannt und bedeutend. Hat aber auch mit anderen Stilrichtungen gearbeitet. Er wurde im Jahr 1912 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Gerhart Johann Robert Hauptmann – „Der Präsident des Herzens“

In der Rede „Von deutscher Republik“, die Thomas Mann 1922 anlässlich des 60sten Geburtstags von Gerhart Hauptmann hielt, würdigte er ihn als „König der Republik“, der als Literat seine politische Verantwortung wahrgenommen habe. Vielleicht ist diese Rede eine Wiedergutmachung für die etwas überzeichnete Karikatur Hauptmanns als Mynheer Peeperkorn im „Zauberberg“. Auch Thomas Manns Bruder Heinrich hat für den Jubilar eine ähnlich euphorische Formulierung gewählt und bezeichnete ihn als „Präsident des Herzens“. Eine der höchsten Würdigungen im Leben eines Schriftstellers, den Literaturnobelpreis, erhielt Hauptmann bereits zehn Jahre zuvor. Das Nobelpreiskomitee honorierte mit dem Preis sowohl dessen beharrliches soziales Engagement als auch seine literarische Sprache, die ihn zum bedeutendsten Vertreter des Naturalismus machten. Seine Dramen „Vor Sonnenaufgang“, „Die Weber“ oder „Der Biberpelz“ sind zeitlos moderne Werke und werden bis heute auf den renommierten Bühnen Deutschlands aufgeführt.

Der beschwerliche Weg zum Volksdichter

Der Weg zum „Präsident der Herzen“ und Literaturnobelpreisträger war alles andere als vorgezeichnet. So wuchs der 1862 in Ober-Salzbrunn geborene Gerhart Johann Robert Hauptmann in eher bescheidenen Verhältnissen auf. Ohne ausreichende Schulbildung strebte er zunächst eine Tätigkeit in der Landwirtschaft an, um festzustellen, dass er der körperlich intensiven Arbeit nicht gewachsen war. Entgegen des Wunsches seiner Eltern entschloss er sich zu einem Studium der Bildhauerei und besuchte an den Universitäten in Jena und Berlin Geschichtsvorlesungen. Mitte der 1880er Jahre fand er Anschluss an den Berliner Dichterkreis „Durch“. Hier keimte in Hauptmann der Wunsch, als freier Schriftsteller zu leben. Eine Heirat mit der reichen Marie Thienemann ermöglichte ihm die Verwirklichung seiner literarischen Träume.

Schon mit seinen ersten Arbeiten sorgte er nicht nur in eingeweihten Künstlerkreisen für Furore. Sein Drama „Vor Sonnenaufgang“ wurde vor allem vom bürgerlichen Publikum als Werk eines „Schnapsbudenrhapsoden“ verunglimpft. Zum Skandal und gleichzeitig auch zum künstlerischen Durchbruch avancierte Hauptmanns Sozialanklage in „Die Weber“ von 1892. Es folgte zwar ein politisch motivierter Prozess, doch ging Hauptmann daraus gestärkt hervor, zumal er vor Gericht beteuerte, kein politischer Dichter zu sein. Obwohl mit dem „Biberpelz“ (1892), „Fuhrmann Henschel“ (1898) und die „Ratten“ (1911) weitere naturalistische Werke mit durchaus sozialkritischem und politischem Impetus folgten, fühlte sich Hauptmann als Gewährsmann für sozial-Schwachen zunehmend missverstanden. Immer wieder erklärte er, dass der sich viel eher als „Vertreter einer allgemeineren deutschen Dichtung“ sehe und er niemals die Absicht gehabt habe, „gegen die Regierung zu frondieren“. So entfernte er sich von den klassenkämpferischen Themen und suchte ganz bewusst volkstümlich-mythologische Sujets, die in seinen Werken „Die versunkene Glocke“ (1896), „Und Pippa tanzt“ aus dem Jahre 1906 und in seinem Hexameter-Epos „Till Eulenspiegel“ (1928) Eingang fanden. Da diese Stücke ganz der neuromantischen Strömung dieser Zeit entsprachen, stieß er mit diesen Werken auf eine breite Leserschaft im Bürgertum, das sich sehr schnell mit dem „klassenkämpferischen Vorleben“ Gerhart Hauptmanns versöhnte und ihn mit zahlreichen Ehrungen überwarf. Am 6. Juni 1946 verstarb Gerhart Johann Robert Hauptmann in Agnieszków in Schlesien.

Als Klassiker vergessen – als Sozialkritiker zeitlos

Spätestens mit seiner ab 1941 erschienenen „Atriden“-Tetralogie sah sich Hauptmann als Nationaldichter in der Tradition von Dichtern wie Euripides, Aischylos und natürlich auch Goethe. Ganz im Sinne Goethes – wenn auch sicherlich nicht im Sinne Gerhart Hauptmanns – gilt auch hier: „Man merkt die Absicht und ist verstimmt“. Seine „klassische“ Phase ist heute weitestgehend vergessen – doch als umso lebendiger erweist sich sein Frühwerk, dessen literarische wie sozialkritische Kraft nichts von ihrer Frische verloren hat.

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