Biografie Günter Grass: Literaturnobelpreis-Gewinner 1999

Günter Grass (* 16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig; † 13. April 2015 in Lübeck) ist ein deutscher Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker. Grass war Mitglied der Gruppe 47 und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Grass wurde 1999 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Günter Grass – Streitbare Zeitgenossenschaft

1952 – es ist das Jahr, in dem die junge Bundesrepublik Deutschland gemeinsam mit ihren Nachbarn die Montanunion, die Basis für das Großprojekt namens „Europäischen Union“ schafft. Es ist aber auch das Jahr, in dem sich der 25-jährige Günter Grass mit Kunst beschäftigt, Bildhauerei studiert, mit einer eigenen Band dem Jazz frönt und ganz nebenbei einige Ideen zu einem Roman mit sich herumträgt. 1956 zieht er mit seiner damaligen Frau nach Paris, wo er ein sehr bescheidenes Leben führt, dass er konsequent seinen Arbeiten an seinen literarischen Erstling unterordnet. Als dieser Roman – „Die Blechtrommel“ – im Jahre 1959 erscheint, war ihm zwar bewusst, dass er etwas Großes geschaffen hat, doch die enorme Aufruhr, die dieser Roman evozierte, war kaum vorherzusehen.

„Die Blechtrommel“ veränderte und beeinflusste Deutschland in seiner politischen und literarischen Entwicklung wie kaum eine andere literarische Veröffentlichung. Genau 40 Jahre danach wird Günter Grass, der zu einem der größten Autoren und Intellektuellen Deutschlands avanciert ist, für diesen Roman und sein Lebenswerk mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Noch heute zählt Günter Grass zu den streitbarsten Intellektuellen dieses Landes und versteht sich als politisch engagierter Zeitgenosse, der sich mit seinen literarischen und explizit politischen Beiträgen immer wieder zu Wort meldet. Unbequem ist er geblieben, von politischer Altersmilde keine Spur, was seine jüngsten Äußerungen zur Siedlungspolitik Israels oder auch zu innenpolitischen Entwicklungen beweisen.

Die Anfänge des Erfolgsautors

Am 16. Oktober 1927 wird Günter Grass in Danzig-Langfuhr geboren. Seine Eltern betreiben einen kleinen Kolonialwarenladen, der allerdings nicht viel Gewinn abwirft. Als 17-jähriger wird er im letzten Kriegsjahr noch als Flakhelfer und Mitglied der Waffen-SS an die Front geschickt. Seine Traumata suchte er zunächst als bildender Künstler zu verarbeiten, bis er in der Literatur die künstlerisch wirkungsvollste Ausdrucksmöglichkeit für sich fand. Der Malerei und der Bildhauerei, ebenso wie der Musik ist er bis heute treu geblieben. Bildete „Die Blechtrommel“ den Ausgangs- und zugleich ersten Höhepunkt seines literarischen Schaffens folgten nach dem Sensationserfolg eine Reihe von Theaterstücken, Gedichten und weiteren Romanen wie „Hundejahre“, „Der Butt“ und „Die Rättin“, mit denen er seinen Ruf als Literat von Weltrang zementierte.

Zentrale Themen seines literarischen Oeuvres sind die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, wie die Studentenrevolte der 1968er Jahre, die Ost-West-Politik, speziell die Aussöhnung mit Polen, und die Wiedervereinigung Deutschlands in seinem hoch umstrittenen Roman „Ein weites Feld“. Auch wenn seine Romane den Erfolg seines Debuts nicht mehr erreichen konnten, so war ihm mit jeder Veröffentlichung und mit jedem Auftritt das mediale und öffentliche Interesse sicher. Denn Günter Grass meldete sich nicht nur als Autor, sondern auch als Bürger und Wahlhelfer zu Wort.

Provokation als Bürgerpflicht

Seit 1961 engagiert er sich für die SPD, betrieb 1969 Wahlkampf für Willy Brandt und war zeitweise aktives SPD-Parteimitglied. Dieses so leidenschaftliche gesellschaftliche und politische Engagement, kombiniert mit seiner schier unerschöpflichen Sprachmacht und seiner durchdringenden Vortragsweise machten ihn zu einer anerkannten moralischen Instanz. Erst seine autobiographischen Erinnerungen „Beim Häuten der Zwiebel“ aus dem Jahr 2006, in denen er seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS offenlegte, sorgten für nachhaltige Zweifel an seiner moralischen Glaubwürdigkeit und Integrität. Plötzlich wurde für Viele aus dem Aufklärer ein Heuchler. Doch auch wenn er heute seine Äußerungen aufgrund seines fortgeschrittenen Alters quantitativ dosiert, beinhalten sie weiterhin ein Höchstmaß an Diskussionsstoff. Günter Grass ging es niemals darum, eine von allen liebgewonnene moralische Instanz zu sein, sondern immer ein Provokateur und unbequem-fragender Zeitgenosse zu bleiben.

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