Biografie Heinrich Böll: Literaturnobelpreis-Gewinner 1972

Heinrich Theodor Böll (* 21. Dezember 1917 in Köln; † 16. Juli 1985 in Kreuzau-Langenbroich) war ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Böll wurde im Jahr 1972 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Heinrich Böll: Mehr als nur „der gute Mensch vom Rhein“

Dieses immer ein wenig an Brechts Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ erinnernde Schlagwort hat Heinrich Böll schon zu Lebzeiten gestört, sah er sein Wirken ausschließlich auf seine gesellschaftliche und politische Rolle reduziert. Zwar forderte er nicht nur von sich, sondern auch von seinen Schriftstellerkollegen, politisches und gesellschaftliches Engagement ein, dennoch wünschte er sich, dass sein literarisches Schaffen nicht allein als Anlass für gesellschaftliche Diskussionen betrachtet werde. Auch die Verleihung des Literaturnobelpreises 1972 änderte kaum etwas an der öffentlichen Rezeption, die die politische Person Böll in den Vordergrund rückte.

Dem Trauma des Weltkrieges eine Sprache geben

Heinrich Theodor Böll wurde als achtes Kind eines Holzbildhauers am 21. Dezember 1917 in Köln geboren. Er wuchs in einem streng katholisch geprägten Milieu auf und begann 1937 eine Ausbildung zum Buchhändler. Es folgte 1939 ein Germanistikstudium an der Bonner Universität, das er aufgrund seiner Berufung zur Infanterie unterbrechen musste. Seine einschneidenden Kriegserlebnisse und die Zeit in amerikanischer und britischer Gefangenschaft fanden in einer Reihe bemerkenswerter „Briefe aus dem Krieg“ Widerhall. Den Auftakt seiner literarischen Karriere bildet die Kurzgeschichte „Der Zug war pünktlich“ aus dem Jahr 1947. Es ist die Kombination aus einer schonungslosen und authentischen Schilderung seiner Kriegerlebnisse und seiner stilistischen Brillanz, die nicht nur Literaturkritiker, sondern schnell auch eine breite Leserschaft begeisterte.

1951 wurde Böll für seine Satire „Die schwarzen Schafe“ mit dem Preis der Gruppe 47 ausgezeichnet. Auch in den Folgejahren traf er mit seinem literarischen Schaffen einen wunden Punkt im Nachkriegsdeutschland: Während die wirtschaftliche Lage vielen Deutschen eine rosige Zukunft versprach, nahm sich Heinrich Böll der Kriegsheimkehrer an, die aufgrund traumatischer Kriegserlebnisse in ihrem gewohnten Umfeld keinen Platz mehr fanden. Aber auch der Katholizismus, dem das Dogma wichtiger schien als die konkrete Sorge um traumatisierte Menschen, erregte seinen Widerstand, den er in seinem Roman „Ansichten eines Clowns“ meisterhaft umsetzte.

Die Liaison von Literatur und Engagement

Ganz bewusst vertrat er eine Poetik, die die Literatur mit gesellschaftlichem Engagement zu vereinen trachtete. Mit dieser Philosophie avancierte Heinrich Böll in den 70er Jahren zu einem der politisch einflussreichsten Redner und Citoyens Deutschlands. Sein Engagement für Willy Brandt, sein Eintreten für eine sachliche Berichterstattung über Ulrike Meinhof und die RAF und auch seine Freundschaft zu Alexander Solschenizyn brachte ihm immer wieder das Prädikat „Unruhestifter“ ein.

Auch international sorgten seine rhetorischen Einwürfe für Furore, was sich nicht nur in der Verleihung des Literaturnobelpreises 1972 und der Präsidentschaft des P.E.N.-Clubs zwischen 1971 und 1974 niederschlug. Seine Romane „Billard um halb zehn“, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Gruppenbild mit Dame“ waren begleitet von heftigen politischen Auseinandersetzungen, die Böll zwar öffentliche Aufmerksamkeit bescherten, doch verschwand die Auseinandersetzung um die literarischen Qualitäten hinter den ausgelösten gesellschaftlichen Diskussionen. Neben diesen großen Romanen schuf er mit dem „Irischen Tagebuch“ einen Klassiker moderner Reiseliteratur und sorgte mit seiner kongenialen Übersetzung von J.D. Salingers Roman „Der Fänger im Roggen“ dafür, dass dieses Kultbuch dem deutschen Publikum zugänglich wurde.

Die Neuentdeckung seines literarischen Vermächtnisses

Politisch ist Heinrich Theodor Böll bis zu seinem Tode am 16. Juli 1985 in Kreuzau-Langenbroich immer geblieben. Nicht zuletzt die Neuausgabe seines Werkes sowie sorgsam edierte Romane aus dem Nachlass wie beispielsweise „Der Engel schwieg“ sorgten dafür, dass das reiche literarische Vermächtnis des Literaturnobelpreisträgers von 1972 heute wieder neu entdeckt und noch wichtiger: wieder gelesen wird.

Leave a Reply