Herta Müller – Biografie und Werk der Literaturnobelpreis-Gewinnerin 2009

Herta Müller (* 17. August 1953 in Nitzkydorf, Rumänien) ist eine rumäniendeutsche, aus dem Banat stammende Schriftstellerin. Im Jahr 2009 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur für ihr sprachgewaltiges Gesamtwerk über die rumänische Diktatur.

Herta Müller – Dichterin der Heimatlosigkeit

Als 2009 das Nobelpreiskomitee bekannt gab, dass die deutsche Autorin Herta Müller mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werde, war die Überraschung, aber bald auch schon die Zustimmung seitens der literarischen Öffentlichkeit groß. Denn kaum jemand hatte die am 17. August 1953 in Nitzkydorf im Kreis Temeschwar in Rumänien geborene Schriftstellerin auf der Rechnung gehabt. Obwohl sie in Deutschland mit zahlreichen Preisen wie dem Kleist-Preis, dem Würth-Preis für Europäische Literatur und dem Joseph-Breitbach-Preis ausgezeichnet wurde, galt sie in der deutschen und europäischen Literaturszene immer ein wenig als Außenseiterin.

Literatur in Zeiten der Diktatur

Herta Müller, deren Eltern als Banater Schwaben in Rumänien zur deutschen Minderheit gehörten, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Dennoch ermöglichten ihr ihre Eltern das Studium der Germanistik und Rumänistik an der Universität des Westens. Während dieser Zeit engagierte sich Herta Müller in der literarischen „Aktionsgruppe Banat“, wo sie auch ihren späteren Ehemann, den Schriftsteller Richard Wagner kennenlernte. Nachdem die Gruppe vom rumänischen Geheimdienst Securitate zerschlagen wurde, unterstützte Müller den Aufbau der „Schriftstellervereinigung Adam Müller-Guttenbrunn“. Nachdem sie sich weigerte, mit der Securitate zusammenzuarbeiten, verlor sie ihre Arbeitsstelle als Dolmetscherin und versuchte, als Lehrerin am deutschsprachigen Nikolaus Lenau-Gymnasium ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Parallel dazu arbeitete sie an ersten literarischen Ideen.

Weitere wichtige literarische Inspirationen lieferten zahlreiche Besuche in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1984 und 1987. Mitte der 80er Jahre erschien im Westen Deutschlands „Niederungen“, ein Band mit Erzählungen, in denen sie ihre Erfahrungen als Heimatlose, Außenseiterin und politisch Verfolgte verarbeitete. 1987 schließlich beschloss sie gemeinsam mit ihrem Mann, in die Bundesrepublik nach Berlin auszuwandern, wo sie bis heute lebt und als freie Schriftstellerin arbeitet.

Die Macht der Sprache

Wie ihr literarisches Debut zeugt auch das gesamte literarische Werk der deutsch-rumänischen Autorin von den schmerzhaften Erinnerungen an das diktatorische Ceausescu-Regime und ihre Erfahrungen der Heimatlosigkeit in der vermeintlich neuen Heimat Berlin. Mit Romanen wie „Der Fuchs war damals schon ein Jäger“ (1992), „Herztier“ (1994) und „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ (1997) erschrieb sie sich ihren Ruf als literarische Chronistin des Alltagslebens, so wie es sich für sie und ihre Familie während der rumänischen Diktatur gestaltete. So, wie sie in der Literatur ihre Erlebnisse verarbeitet, sind es auch ihre Protagonisten, die mithilfe ihrer Sprache ihrem Leben als Außenseiter und Opfer politischer Willkür eine positive Deutung geben. Sprache könne zwar nicht alles über eine Diktatur aussagen, aber, so Herta Müller, durch Sprache könne man seine Würde bewahren. Die Möglichkeit, die die Sprache den Menschen biete, sei die einzige Freiheit, die der Unterdrückte habe. In ihrem großen Essay-Band „Der König verneigt sich und tötet“ (2003) analysiert sie genau diese befreiende Wirkung der Sprache und liefert ein leidenschaftliches Plädoyer für Demokratie und Sprache – zwei elementare Grundpfeiler des sozialen Zusammenlebens, die allerdings immer wieder neu erkämpft und aktiv bewahrt werden müssen.

Die Kraft der Utopie in der Prosa Herta Müllers

Auch wenn ihre Werke, wie es in der Begründung der Nobelpreiskomitees heißt, „mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit“ zeichnen, so entwirft sie immer auch eine Utopie dessen, wie es sein könnte. Seit Oktober 2013 tauchen immer wieder Gerüchte um Herta Müllers Gesundheitszustand auf. Es ist zu wünschen, dass die Nobelpreisträgerin von 2009 die Kraft findet, weiter an ihrem großen literarischen Projekt zu schreiben und mit ihren Erfahrungen als Deutsch-Rumänin auch der europäischen Idee neue intellektuelle Nahrung zu geben.

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