Biografie Paul Heyse: Literaturnobelpreis-Gewinner 1910

Paul Johann Ludwig von Heyse (geadelt 1910; * 15. März 1830 in Berlin; † 2. April 1914 in München) war ein deutscher Schriftsteller. Bekannt wurde er durch die nach eigenem Modell geschriebenen Novellen. Er wurde 1910 als erster Autor von belletristischer Literatur mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Revolutionär, Literaturnobelpreisträger und Ritter des bayerischen Maximiliansordens: Paul von Heyse

Nachdem zuvor der Historiker Theodor Mommsen und der Philosoph Rudolf Christoph Eucken mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurden, ist Paul Johann Ludwig von Heyse der erste genuine deutsche Literat, dem dieser Ehrenpreis zuteilwurde. Das Nobelpreis-Komitee sieht seine Entscheidung für Heyse „als Huldigungsbeweis für das vollendete und von idealer Auffassung geprägte Künstlertum, das er während einer langen und bedeutenden Wirksamkeit als Lyriker, Dramatiker, Romanschriftsteller und Dichter von weltberühmten Novellen an den Tag gelegt hat.“

Aufstieg aus behütetem Elternhause

Paul Johann Ludwig von Heyse wurde 1830 als Sohn eines Philologie-Professors geboren. Seine bildungsbürgerliche Kindheit, gipfelte in einem Studium der Klassischen Philologie, Kunstgeschichte und der Romanistik an den Universitäten in Bonn und Berlin. Die enge Freundschaft zum Dichter Emanuel Geibel übte erheblichen Einfluss auf Paul Heyses Drang aus, als Schriftsteller sein Leben zu bestreiten. Seine intensiven Gespräche mit den Berliner Kultur-Eliten im Jüdischen Salon in Berlin führten zu einem engen intellektuellen Austausch mit Jacob Burckhardt, Theodor Fontane und Theodor Storm. Nachdem er sich für kurze Zeit der Revolution von 1848 anschloss, promovierte im Anschluss über den „Refrain in der Poesie der Troubadours“ und folgte 1852 dem traditionellen Ruf deutscher Dichter und Denker nach Italien.

Im Mai 1854 wurde Heyse auf Empfehlung seines Studienfreundes Emanuel Geibel vom bayerischen König Maximilian II. nach München gelockt, wo er mit einer festen Pension vom jährlich 1000 Gulden eine wirtschaftlich gesicherte Existenz als freier Schriftsteller aufbauen konnte. 1854 gründete Heyse, der mit seinen in München entstandenen Novellen schnell zu den bedeutendsten Autoren Münchens avancierte, die Literatenverbindung „Die Krokodile“ und gehörte zum engsten und einflussreichen Freundeskreis Gottfried Kellers. Die Beziehung zum schweizerischen Dichter inspirierte Heyse zu einer wahren Flut hochklassiger Novellen, die den Grundstein für den Literaturnobelpreis legten. 1910 war für Heyse nicht nur das Jahr des Nobelpreises, sondern auch das Jahr, in dem er von Prinzregens Luitpold in den Adelsstand erhoben wurde. Am 2. April 1914 verstarb Paul von Heyse unter großer öffentlicher Teilnahme in München.

Was bis heute blieb: Novellenschatz und Falkentheorie

Heute ist sein Werk größtenteils nur spezialisierten Literaturwissenschaftlern und Germanisten präsent. Vereinzelt finden sich heute noch aus dem schier unerschöpflichen Novellen-Œuvre einzelne Texte in Schul-Lesebüchern und Anthologien. Von durchaus prägender Wirkung bis heute erwiesen sich seine literaturtheoretischen Betrachtungen zur Gattung der Novelle. „Falkentheorie“ ist hier das Stichwort, das viele vielleicht auch noch aus dem Deutschunterricht als Begriff im Bewusstsein haben. Auf Grundlage der Novelle „Der Falke“ aus Boccaccios Novellenzyklus „Decameron“ entwickelte Heyse die Theorie, nach der die idealtypische Novelle immer in einem einprägsamen sowie unerwarteten Wendepunkt, symbolisiert durch den Falken, gipfeln müsse. Ebenso wie sich Boccaccios Novellen einer hohen Gunst seiner Zeitgenossen erfreuen konnte, trafen Heyses Novellen ebenfalls den Zeitgeist der literarisch interessierten Öffentlichkeit, obwohl oder vielleicht auch weil er sich den damals parallel entwickelnden Strömungen des Naturalismus oder der Schwabinger Bohème entzog.

Seine Freundschaft zu Joseph von Eichendorff, Theodor Fontane, und Gottfried Keller festigte seinen traditionellen Stil. Seine ebenso erfolgreichen wie formvollendeten Novellenbände „Über allen Gipfeln“ aus dem Jahre 1895 und die „Novellen vom Gardasee“ von 1905 weisen Paul von Heyse als zeitlosen Solitär in der deutschen Literaturlandschaft aus. Ein Solitär ist er bis heute geblieben, auch wenn seine hohe Kunst der formvollendeten Novelle bis heute stilprägend ist und zahlreiche Nachahmer findet.

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