Biografie Rudolf Eucken: Literaturnobelpreis-Gewinner 1908

Rudolf Christoph Eucken (* 5. Januar 1846 in Aurich (Ostfriesland); † 15. September 1926 in Jena) war ein deutscher Philosoph. Er wurde im Jahr 1908 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Rudolf Christoph Eucken war nach Theodor Mommsen der zweite Deutsche, der 1908 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Und wie Mommsen gilt Eucken nicht als Literat, sondern als Geisteswissenschaftler mit vielen Interessensschwerpunkten. Sein Hauptaugenmerk lag sicherlich auf philosophischen Betrachtungen der Welt. Dabei aber gelang es ihm, seine Philosophie so elegant zu formulieren, dass sie von einer breiten Leserschaft gelesen wurde.

Lebensstationen

Außerhalb Skandinaviens sorgte die Auszeichnung Eucken für Überraschung und teilweise gar Ablehnung, doch für Rudolf Christoph Eucken kam dieser Preis nicht unvermittelt. Die Gelehrtenlaufbahn des 1846 in Aurich als Sohn eines Postbeamten geborenen Euckens war schon früh mit der Familie Theodor Mommsens verknüpft. Nach seinem Studium in Göttingen und seiner Promotion über den Vernunftbegriff bei Aristoteles arbeite er als Lehrer in Husum bevor in ein Bruder Theodor Mommsens nach Frankfurt holte. 1871 erreichte ihn von der Universität zu Basel der Ruf als Professor für Philosophie und Pädagogik, wo zur gleichen Zeit die Geistesgrößen Jacob Burckhardt und Friedrich Nietzsche lehrten. 1874 schließlich wechselte er an die Jenaer Universität, wo er bis zu seinem Ruhestand 1920 Philosophie lehrte und einen Großteil seiner Schriften verfasste.

Deutschland versagt Eucken die Anerkennung

Trotz des Nobelpreises wurde ihm – übrigens bis heute – in Deutschland die Anerkennung versagt. Während vor allem in Deutschland an der Schwelle zum 20. Jahrhundert die Ausdifferenzierung der unterschiedlichen wissenschaftlichen Fachrichtungen und die Abgrenzung gegeneinander zunahmen, agierte jemand wie Rudolf Christoph Eucken, der sich gegen eine einengende Systematik beharrlich sträubte, eher als Außenseiter. In Skandinavien aber waren die flüssig formulierten Essays des ostfriesischen Philosophen sehr populär. Bereits vor der Verleihung des Literaturnobelpreises wurde er beispielsweise zum „auswärtigen Mitglied der schwedischen Akademie der Wissenschaften“ ernannt.

Die Rettung der Welt – Die Ideenwelt Euckens

Auch wenn Eucken sich in seinen Werken mit einer Vielzahl an Problemen und philosophischen Fragestellungen beschäftigte, beleuchtete er in seinen Schriften vor allem die zunehmende „Veräußerlichung des Lebens“. Die einsetzende Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts überhöhe die „Scheinkultur des Technischen“ und belaste den Menschen mit einer einhergehenden „fiebrigen Arbeitskultur“. In ganzheitlichem Denken und vor allem ganzheitlichem und natürlichem Handeln sah er einen Ausweg, die Menschheit zurück in ihre natürliche Balance zu bringen. Diesen „heilen Zustand“ beschrieb Eucken als „Beisichselbstsein des Lebens“. In seinen Hauptwerken „Der Sinn und der Wert des Lebens“ und „Mensch und Welt. Eine Philosophie des Lebens“ konkretisiert Eucken diese Idee und weht sich gegen eine dualistische Vorstellung von Geist und Tat. Stattdessen verbindet er hier das Geistesleben mit dem Leben des Handelns, der Natur und des Alls. Diese Philosophie ließ ihn nicht zuletzt als Begründer eines Neu-Idealismus in die Philosophiebücher eingehen. Zu weiteren wichtigen und einflussreichen Werken gehören u.a. „Die Einheit des Geisteslebens in Bewußtsein und Tat der Menschheit“ (1888) und „Der Wahrheitsgehalt der Religion“ (1901).

Rudolf Christoph Eucken starb am 16. September 1926 in Jena. Seine Ideen, die nicht allein der 1920 gegründete Eucken-Bund lebendig hielt, sind heute immer noch – oder wieder – hochaktuell und könnten wichtige Impulse in Zeiten, in denen Burn-outs und eine Überbewertung wirtschaftlicher Fragen an der Tagesordnung sind.

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