Biografie Thomas Mann: Literaturnobelpreis-Gewinner 1929

Paul Thomas Mann (* 6. Juni 1875 in Lübeck; † 12. August 1955 in Zürich) war ein deutscher Schriftsteller, der unter der nationalsozialistischen Herrschaft emigrierte und 1943 US-amerikanischer Staatsbürger wurde. Er zählt zu den wichtigsten Erzählern deutscher Sprache. Er wurde im Jahr 1929 für seinen ersten Roman Buddenbrooks aus dem Jahr 1901 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Der Zauberer: Thomas Mann

„Wo ich bin, ist die deutsche Kultur“. Es gab wohl bislang keinen Schriftsteller von Rang, der sich seiner Bedeutung für Deutschland so sicher war wie Thomas Mann – außer vielleicht Goethe. Doch der hat sich eher dem Olymp verpflichtet gefühlt. Nicht zuletzt mit der Verleihung des Literaturnobelpreises 1929 sah sich Thomas Mann auf dem Gipfel seiner Träume. Schaut man sich den anhaltenden Erfolg der Bücher und Filme über Thomas Mann und seiner Familie an, so hat er mit seinem Diktum Recht behalten – auch wenn es heute eher das Privatleben der Künstlerfamilie ist, das das Interesse der Zuschauer und Leser weckt.

Diese Entwicklung, in der weniger das Werk Thomas Manns als vielmehr der Autor selbst im Zentrum stehen, ist auch das Ergebnis eines durchliterarisierten Lebens, das sich Thomas Mann und den Seinen zur Aufgabe machte. Doch war er sich schon zu Lebzeiten bewusst, dass spätestens mit der posthumen Veröffentlichung seiner Tagebücher die bürgerlich-konservative Schutzschicht bröckeln würde. Hermann Hesse war der erste, der auf die hohen Schutzwälle aus Bürgerlichkeit, Ironie und Virtuosität hinwies, hinter denen Thomas Mann seine existenziellen und literarischen Selbstzweifel, Schwächen und seine Homosexualität verstecken konnte.

Paul Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren und wuchs in einem wohlbehüteten und wirtschaftlich abgesicherten Elternhaus auf. Sein Vater war ein bedeutender Kaufmann, Konsul und Senator in Lübeck. Doch stand für Thomas Mann die Perspektive, einst das Geschäft seines Vaters zu übernehmen, niemals ernsthaft zur Disposition. Vielmehr eiferte er schon in jungen Jahren seinem älteren Bruder Heinrich nach und sah seine Berufung in der Schriftstellerei. Wie virtuos seine literarischen Fähigkeiten schon während seines Studiums in München waren, zeigt ein Tagebucheintrag, in dem er in seiner Schriftstellerei den einzig legitimen Weg sieht, seinem Vater zu folgen und zu entsprechen: „Indem man ein Denker und Künstler wird, entartet man weniger, als die Umwelt, von der man sich emanzipiert, und als man selber glaubt. Man hört nicht auf zu sein, was die Väter waren, sondern ist ebendieses in anderer, freierer, vergeistigter, symbolisch darstellender Form nur noch einmal.“ Schon in diesen wenigen Worten lässt sich eine Vielzahl der philosophischen und künstlerischen Einflüsse nachweisen, die im literarischen Werk Thomas Manns Einzug gefunden haben: Nietzsche, Schopenhauer, Kierkegaard, Wagner – sie alle bilden den intellektuellen Unterbau seines wohl bekanntesten und erfolgreichsten Romans, der bis heute nichts von seiner Magie verloren hat: „Die Buddenbrooks“, erschienen im Jahre 1901.

Ausdrücklich nur für die „Buddenbrooks“, nicht jedoch für seine zahlreichen Erzählungen, Novellen, Essays oder gar den „Zauberberg“ wurde ihm 1929 der Literaturnobelpreis verliehen. Als „ein Stück Seelengeschichte des europäischen Bürgertums“ gründete dieser Familienroman den weltweiten Ruhm Thomas Manns, der ihn schon zu Lebzeiten zu einem intellektuellen Denkmal machte. Der 1936 erfolgten Ausbürgerung durch die Nazis folgte 1944 die Entscheidung, die US-amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Als internationaler Repräsentant deutscher Kultur versuchte er mit seinen Essays und Reden aus dem Exil aber auch mit seinen epochalen Werken „Doktor Faustus“ und der „Josephs“-Tetralogie, der Inhumanität und der politischen wie intellektuellen Katastrophe des Dritten Reiches eine – umsetzbare – Utopie entgegenzusetzen, in der „Karl Marx den Friedrich Hölderlin gelesen hat“. Nicht wenige Deutsche wünschten sich Thomas Mann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einem politischen Amt wie dem des Bundespräsidenten – doch Thomas Mann zog es, trotz einiger umjubelter Lesereisen durch Deutschland in die Schweiz, wo er als amerikanischer Staatsbürger am 12. August 1955 in Zürich verstarb.

Leave a Reply